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descriptionTeller mit Besteck
Wer Milch, Brot oder Obst nicht verträgt, gehört zur wachsenden Gruppe von Menschen mit einer Lebensmittel-Intoleranz. Meist hilft nur Abstinenz.
descriptionMilch in Glaskaraffe
Zwischen zehn und 30 Prozent aller Europäer vertragen keine Milch oder Milchprodukte. Genauer gesagt: Sie haben eine Milchzucker-Unverträglichkeit.
descriptionVerschiedene Brotsorten
Gluten-Unverträglichkeit vergällt Betroffenen den Genuss von Pizza und Pasta. Sie verändert den Dünndarm, der dadurch Nährstoffe nicht mehr richtig verwerten kann.
descriptionWeintrauben
Viel Obst zu essen, ist gesund – allerdings nicht, wenn der Körper Fruchtzucker schlecht verdauen kann. Dann bereiten die Vitaminspender nichts als Probleme.
descriptionRotwein
Histamin-Unverträglichkeit kann zu Darmbeschwerden, Migräne und Niesanfällen führen. Rotwein, Käse und Kakao sind besonders histaminreich.

Zöliakie: Getreide entzündet den Darm

Bei Kindern nennt man Gluten-Unverträglichkeit Zöliakie, erkranken Erwachsene, wird sie als einheimische Sprue bezeichnet. Das Klebereiweiß Gluten ist Bestandteil vieler Getreidesorten. Eine Unverträglichkeit bleibt ein Leben lang bestehen. Sie beeinträchtigt nicht nur die Funktion des Darms, sondern verändert auch seine Struktur.

Im Überblick



Knapp 1 Prozent der Menschen in Deutschland ist von Zöliakie beziehungsweise Sprue betroffen, wobei nur 10 Prozent der Betroffenen typische Symptome aufweisen. Forscher der amerikanischen Mayo-Klinik veröffentlichten im Sommer 2009 eine Studie, die eine Zunahme der Gluten-Unverträglichkeit um das Vierfache seit 1950 festgestellt. Eine Erklärung für diesen starken Anstieg haben sie nicht. Die Erkrankung wird nicht vererbt, wohl aber die Anlage dazu. Man spricht von einer genetischen Disposition. Zöliakie zählt zu den Autoimmunkrankheiten, weil sich das Immunsystem gegen den eigenen Körper wendet – in diesem Fall gegen Zellen des Darms, ausgelöst durch eine natürliche Substanz in den gängigen Getreidesorten.
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Zöliakie wird oft sehr spät erkannt

Bis eine Zöliakie oder Sprue eindeutig erkannt wird, machen manche Patienten einen jahrelangen Krankheitsverlauf durch. Die Symptome wie Durchfall, Blähungen, Müdigkeit und Abgeschlagenheit, bei Kindern auch Gedeihstörungen, Übellaunigkeit und Bauchschmerzen werden oft nicht richtig eingeordnet. Letzte Sicherheit bringt dann erst eine Probeentnahme (Biopsie) der Dünndarmschleimhaut.

Wenn die Diagnose Zöliakie gestellt ist, hilft nur eins: Eine Ernährungsumstellung mit lebenslangem Verzicht auf die meisten Brotsorten, Gebäck, Nudeln, Müsli oder Pizza. Die Devise heißt fortan: Es dürfen nur noch glutenfreie Nahrungsmittel auf den Speiseplan. Eine Therapie mit Medikamenten, die etwa Gluten verträglicher machen könnten, gibt es nicht.
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Gluten kann im Dünndarm Entzündungen auslösen

Gluten setzt sich aus den Eiweißbestandteilen Gliadin und Glutenin zusammen. Es kommt in den Getreidesorten Weizen, Roggen, Gerste, Hafer, Dinkel und Grünkern vor. Es ist der Stoff, der beim Backen dafür sorgt, dass der Teig zusammenhält, daher auch der deutsche Name „Klebereiweiß“. In Reis, Hirse, Mais und Buchweizen ist kein Gluten enthalten. Eine glutenfreie Kost darf also durchaus Backwaren enthalten, solange sie ausschließlich mit Mehl aus diesen Getreidesorten hergestellt sind.

Das eigentlich harmlose Gluten wird vom Immunsystem Zöliakiekranker als etwas Feindliches angesehen und wie Bakterien oder Viren angegriffen. Dabei werden einerseits Antikörper gegen die Gluten-Proteine gebildet und andererseits wird durch Ausschüttung zellschädigender Substanzen die Darmschleimhaut verändert.

Flache Darmzotten versagen bei der Nährstoffverwertung
Die Dünndarmschleimhaut eines Gesunden ist von vielen Fältchen, den Darmzotten, ausgekleidet. Durch die Zotten ist die Oberfläche des Darms enorm vergrößert, der Darm kann so die Nahrung gut aufspalten und aufnehmen. Bei Zöliakie bewirkt der Kontakt der Dünndarmschleimhaut mit dem Eiweiß Gluten über immunologische Prozesse die Entzündungen der Darmzotten mit nachfolgender Abflachung und sogar gänzlichem Abbau. Dadurch können auch Nährstoffe wie Fett, Kohlenhydrate, Proteine, Vitamine, Mineralien und Spurenelemente nicht mehr in ausreichender Menge vom Darm aufgenommen werden. Es kommt zu den typischen Durchfällen, Blähungen und Mangelerscheinungen.
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Die Beschwerden sind ebenso typisch wie unspezifisch

Erkranken Kinder an Zöliakie, wird die Krankheit meist erst nach einer längeren Zeit diagnostiziert. Nach der Umstellung der Babys von reiner Milchnahrung zu Mahlzeiten mit Getreideanteilen – wie Weizengrieß, Brot oder Haferflocken –, dauert es einige Monate, bis die Darmschleimhaut so stark geschädigt ist, dass sich die ersten Krankheitszeichen zeigen. Das auffälligste Symptom ist zunächst ein stark aufgetriebener Bauch.

Typische Symptome einer Zöliakie sind:
  • stark aufgetriebener Bauch
  • Durchfall
  • Bauchschmerzen
  • Häufiges Erbrechen
  • Muskelschwäche
  • Übellaunigkeit
  • Gewichtsabnahme
  • Müdigkeit und Blässe
Die Krankheitszeichen der Zöliakie treten meist zwischen dem 6. Lebensmonat und dem 2. Lebensjahr auf. Bei vielen Kindern wird die Erkrankung allerdings auch erst im Schulalter erkannt. Die Kinder fallen durch Minderwuchs, Blässe und Appetitlosigkeit auf. Zöliakie tritt bei Kindern und Jugendlichen mit Typ-1- Diabetes häufiger als in der übrigen Bevölkerung auf.

Die Sprue, also die Zöliakie des Erwachsenen, kann auch noch im Alter zwischen 30 und 40 und darüber erstmalig auftreten. Oft vergehen Jahre, bis die Diagnose eindeutig gestellt wird. Die Krankheitszeichen sind meist weniger ausgeprägt und deshalb schwieriger einzuordnen als bei Kindern. Sie sind auch nicht bei allen Erwachsenen gleich. Die Symptome entstehen zum einen durch die Entzündung im Darm (etwa Durchfall oder Blähungen) oder als Folge der schlechten Nährstoffverwertung (etwa Gewichtsabnahme und Müdigkeit).
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Darmbiopsie sichert die Diagnose

Oft wurde zunächst ein Antikörpersuchtest auf Gliadin-Antikörper durchgeführt, der aber wegen seiner geringen Spezifität nicht mehr eingesetzt werden sollte. Meistens wird daher heute der Gewebstransglutaminase-(TTG)-Antikörper bestimmt. Die Gewebstransglutamidase ist ein Enzym, das bei der Verarbeitung von Gliadin in der Darmschleimhaut hilft. Allerdings lässt sich auch mit diesem Antikörpertest eine Zöliakie nicht beweisen. Neuerdings können auch Antikörper gegen die deaminierten Gliadinpeptide nachgewiesen werden. Das sind Antikörper gegen bereits weiterverarbeitete (deaminierten) Gliadinbestandteile. Sie sind spezifischer für Zöliakie. Eine eindeutige Diagnose erhält man über eine Dünndarmschleimhautbiopsie (Gewebeprobenentnahme). Während einer Magen-Darm-Spiegelung werden winzige Gewebeteile der Schleimhaut entnommen und anschließend feingeweblich untersucht. Zeigt das Mikroskop die typische Abflachung der Darmzotten, steht die Diagnose fest.
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Behandlung: Verzicht ist die Devise

Für Patienten mit Zöliakie oder Sprue ist die lebenslange glutenfreie Ernährung die einzig mögliche Tharpie, eine andere Behandlungsoption existiert zurzeit noch nicht. Das bedeutet für den Betroffenen und auch für die übrige Familie eine radikale Umstellung der Essgewohnheiten. Dass eine solche Umstellung schwer fällt und mit dem Verzicht auf manche Lieblingsspeise verbunden ist, liegt auf der Hand. Aber nur wenn die glutenfreie Ernährung strikt eingehalten wird, kann sich die entzündete und abgeflachte Darmschleimhaut regenerieren, sodass die normale Verwertung der Nährstoffe wieder in Gang kommen kann.

Meist setzt eine Besserung der Verdauung und des Allgemeinbefindens schon wenige Tage nach der Ernährungsumstellung auf glutenfreie Diät ein. Es dauert aber längere Zeit, bis eine völlige Beschwerdefreiheit erreicht ist. Wenn die Schleimhaut sehr stark beeinträchtigt ist, leiden manche Patienten zusätzlich an einer Laktoseintoleranz. Auf Milch und Milchprodukte muss der Betroffene dann ebenfalls vorübergehend verzichten. Nach Erholung der Dünndarmschleimhaut bereiten Milchprodukte später meist keine Beschwerden mehr. Auch wenn manche Zöliakie-Patienten nach der Regeneration der Darmzotten kleine Mengen glutenhaltiger Kost vertragen, raten Experten dringend dazu, die glutenfreie Diät streng einzuhalten. Untersuchungen ergaben, dass sich häufiger Geschwüre oder sogar bösartige Tumoren im Darm bilden, wenn Menschen mit einer Gluten-Unverträglichkeit ihren Darm immer wieder den belastenden Lebensmitteln aussetzen.
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Geschmackvoll essen trotz Zöliakie

Auch wenn eine Ernährung ohne die hierzulande übliche Brotvielfalt, ohne Kuchen oder Nudeln wenig verlockend erscheint, bleiben Zöliakie-Patienten eine Vielzahl leckerer Lebensmittel für einen abwechslungsreichen Speiseplan.

Die Positivliste glutenfreier Produkte:
  • Reis, Reisflocken, Reisstärke
  • Kartoffeln, Kartoffelmehl
  • Mais, Maismehl, Maisgrieß, Maisflocken, Maisstärke
  • Hirse, Buchweizen, Quinoa, Amaranth und deren Produkte
  • Guarkernmehl, Johannisbrotkernmehl, Kastanienmehl
  • Nüsse, Mandeln, Sonnenblumen- und Kürbiskerne, Leinsamen, Sesam, Mohn
  • alle Sojaprodukte
  • Milch und Milchprodukte (ohne Zusätze)
  • Fisch, Fleisch (natur)
  • Eier
  • frisches Obst und frisches Gemüse
  • Hülsenfrüchte (keine Konserven)
  • Marmelade, Honig
  • Butter, Margarine, Öle
  • Zucker, Salz, Kräuter
  • Mineralwasser, Fruchtsäfte (aus 100% Frucht ohne Aroma-, Konservierungs- oder Farbstoffe)
  • Bohnenkaffee, Tee (ohne Aroma-, Konservierungs- oder Farbstoffe)
  • Wein, Sekt
  • glutenfreie Medikamente, Kosmetika, Zahnpflegemittel.
Die Streichliste glutenhaltiger Produkte:
  • Weizen, Roggen, Gerste, Hafer, Dinkel, Grünkern, Urkorn, Kamut oder Emmer – in jeder Form und Menge
  • Hartweizengrieß, Weichweizengrieß
  • alle handelsüblichen Teig- und Backwaren (Nudeln, Brot, Gebäck und Kuchen)
  • Fertiggerichte, Suppen, Soßen mit glutenhaltigen Bindemitteln
  • Konservenware mit glutenhaltigen Zusätzen, wie z.B. Aromen, Gewürze
  • Wurst- und Fleischwaren mit glutenhaltigen Bindemitteln oder Gewürzen
  • Paniermehl und alle damit zubereiteten Speisen
  • Müsli und alle Produkte mit Getreidezusätzen
  • Light-Produkte, wenn Zucker und/oder Fett durch glutenhaltige Stoffe ersetzt wurden
  • fertige Puddings, Desserts
  • Malzgetränke, Bier, Whisky
  • glutenhaltige Medikamente, Kosmetika, Zahnpflegemittel.

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Achtung bei Fertiggerichten

Die erlaubten Nahrungsmittel können nur bedenkenlos auf den Tisch kommen, wenn sie in unverarbeiteter Form vorliegen. Fertiggerichte können Gluten enthalten, das nicht offensichtlich ist. Es wird in der Lebensmittelindustrie häufig als Emulgator, Geliermittel, Stabilisator und Träger für Aromastoffe verwendet. Seit November 2005 sorgt allerdings eine EU-Richtlinie für mehr Transparenz bei den Inhaltsstoffen in verpackten Lebensmitteln: Alle Einzelzutaten sowie die Inhaltsstoffe zusammengesetzter Zutaten müssen angegeben werden, wenn sie in Verdacht stehen, Allergien oder Unverträglichkeiten auszulösen, so auch Gluten. Eine weitere EU-Verordnung vom Februar 2009 fordert ab 2012 eine weitere Gluten-Deklaration. Sie sollen Fertigprodukte für Zöliakiepatienten die Kennzeichnung „glutenfrei“, „sehr geringer Glutengehalt“ und „mit Hafer“ tragen. Hafer ist in Finnland und Großbritannien für Erwachsene mit Zöliakie in moderaten Mengen freigegeben.

In Reformhäusern und gut sortierten Supermärkten finden Sie glutenfreie Lebensmittel in recht großer Auswahl. Als einprägsames Symbol ist auf den Verpackungen als Zeichen für Glutenfreiheit eine durchgestrichene Ähre angebracht. Sie können sich glutenfreie Nahrungsmittel wie Brot, Pizzaböden, glutenfreie Nudeln und Kekse auch direkt vom Hersteller zuschicken lassen, was den Einkauf sehr erleichtert. Eine ausführliche Broschüre der erlaubten, glutenfreien Lebensmittel und auch Arzneimittel sowie Hersteller-Adressen sind über die Deutsche Zöliakie-Gesellschaft erhältlich.
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Mit Zöliakie ins Restaurant und zur Party

Im Restaurant sollten Sie den Kellner und Köche über Ihre Gluten-Unverträglichkeit informieren, die Ihnen dann bei der Essensauswahl behilflich sein können. Aus der Speisekarte wählen Sie Gerichte, die naturbelassen sind: zum Beispiel Fleisch oder Fisch ohne Panade, Gemüse und Salat, angemacht mit Essig und Öl. Das Angebot vom Grill ist meist eine sichere Wahl. Im Zweifelsfall fragen Sie jedoch lieber nochmals nach der Zubereitung.

Sprechen Sie mit Freunden über Ihre Krankheit. Jeder hat dann Verständnis, wenn Sie bei Einladungen und Partys eventuell glutenfreies Gebäck oder Brot mitbringen.

Insbesondere für Kinder ist es bisweilen nicht leicht zu verstehen, warum es ihnen verwehrt ist, einen normalen Keks zu essen oder in ein Weizenbrötchen zu beißen. Damit sie sich nicht innerhalb der Familie benachteiligt fühlen, wenn für sie separat gekocht wird, ist es ratsam, die Ernährung der gesamten Familie so umzustellen, dass Gluten allgemein gemieden wird. Auf Geburtstagsfeiern oder Ausflügen kann dem Kind glutenfreies Gebäck mitgegeben werden.

Obwohl es für gesetzliche Krankenkassen keine Verpflichtung gibt, glutenfreie Lebensmittel zu erstatten, werden in Ausnahmefällen und auf Antrag Zuschüsse gezahlt.
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Hilfreiche Adressen

  • Deutsche Zöliakie-Gesellschaft e.V.
    Kupferstr. 36 D
    70565 Stuttgart
    Tel: 0711 / 4 59 98 10
    Fax: 0711 / 45 99 81 50
    Internet: www.dzg-online.de
  • Deutsche Gesellschaft für Ernährung e.V.
    Godesberger Allee 18
    52175 Bonn
    Tel: 02 28 / 3 77 66 00
    Fax: 02 28 / 3 77 68 00
    E-Mail: webmaster@dge.de
    Internet: www.dge.de

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Pizza
© Shutterstock
Pizza und Spaghetti sollten für Patienten mit Zöliakie tabu sein. Es sei denn, sie wurden mit glutenfreiem Mehl hergestellt, zum Beispiel aus Mais oder Buchweizen.
Grafik: geschädigte und gesunde Darmschleimhaut
© vitanet GmbH
Durch Zöliakie geschädigte Dünndarmschleimhaut (oben) mit abgeflachten Zotten, zum Vergleich gesunde Schleimhaut des Dünndarms (unten) mit ausgeprägten Zotten.
Guglhupf-Kuchen
© iStockphoto
Bereits ein Stück Kuchen, der mit Weizenmehl gebacken wurde, kann bei Zöliakie zu Durchfall führen.
Ungekochter Reis
© iStockphoto
Reis – auch asiatischer Klebreis – ist für Patienten mit Zöliakie unbedenklich. Denn diese Getreideart enthält kein Gluten.