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descriptionTeller mit Besteck
Wer Milch, Brot oder Obst nicht verträgt, gehört zur wachsenden Gruppe von Menschen mit einer Lebensmittel-Intoleranz. Meist hilft nur Abstinenz.
descriptionMilch in Glaskaraffe
Zwischen zehn und 30 Prozent aller Europäer vertragen keine Milch oder Milchprodukte. Genauer gesagt: Sie haben eine Milchzucker-Unverträglichkeit.
descriptionVerschiedene Brotsorten
Gluten-Unverträglichkeit vergällt Betroffenen den Genuss von Pizza und Pasta. Sie verändert den Dünndarm, der dadurch Nährstoffe nicht mehr richtig verwerten kann.
descriptionWeintrauben
Viel Obst zu essen, ist gesund – allerdings nicht, wenn der Körper Fruchtzucker schlecht verdauen kann. Dann bereiten die Vitaminspender nichts als Probleme.
descriptionRotwein
Histamin-Unverträglichkeit kann zu Darmbeschwerden, Migräne und Niesanfällen führen. Rotwein, Käse und Kakao sind besonders histaminreich.
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Fruktoseintoleranz: Obst stresst die Verdauung

Menschen die keinen Fruchtzucker (Fruktose) vertragen, müssen die Finger von Obst, Fruchtsäften oder Honig lassen. Sonst leiden sie ständig unter Blähungen, Bauchkrämpfen oder Durchfall. Manchmal sind auch Immunsystem und Psyche in Mitleidenschaft gezogen.

Im Überblick



Verdauungsprobleme durch Fruchtzucker sind in Mitteleuropa weit verbreitet. Bei schätzungsweise jedem Dritten staut sich das Kohlenhydrat Fruktose im Darm, sodass sein Abbau nicht immer ohne Bauchgrimmen oder Blähungen vonstatten geht. Oft sind die Beschwerden kaum mehr als kleine alltägliche Befindlichkeitsstörungen. In anderen Fällen führt die Unverträglichkeit jedoch zu einem chronisch gereizten Darm, zu Mangelerscheinungen und Depressionen. Bei vielen Betroffenen ist nicht nur die Fruchtzucker-Verwertung gestört: Wer Milchzucker (Laktose) schlecht bis gar nicht verträgt, leidet in 75 bis 80 Prozent der Fälle auch an einer Unverträglichkeit von Fruchtzucker, der sogenannten Fruktose-Malabsorption.
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Zwei Formen der Fruktose-Unverträglichkeit

Die hereditäre Fruktoseintoleranz ist eine seltene erbliche Stoffwechselkrankheit, bei der ein defektes Enzym dazu führt, dass Fruktose nicht verdaut wird bzw. dass sich ein schädliches Abbauprodukt in der Darmwand, der Leber und den Nieren anreichert. Die Folgen sind häufiges Erbrechen, eine Vergrößerung der Leber, die zur Zirrhose führen kann, sowie eine übermäßige Eiweißausscheidung im Urin. Meist entdecken Mediziner diese angeborene Störung schon im Babyalter. Die Betroffenen müssen Fruchtzucker ihr Leben lang streng meiden.

Damit nicht zu verwechseln ist die weit verbreitete intestinale Fruktose-Malabsorption genannt. Die Ursache ist ein angeborener oder auch erworbener Mangel eines Eiweißes, das die Fruktose in die Darmzellen transportiert, das GLUT-5. Dadurch wird Fruktose nicht in die Darmzellen aufgenommen und gelangt in den Dickdarm. Dort wird sie von Bakterien verstoffwechselt, was zu Blähungen und Durchfall führt. Wer trotz der Beschwerden weiterhin viel Fruchtzucker konsumiert, schadet der Darmflora, und es kann zum Reizddarmsyndrom kommen.

Häufig sind Kinder im Grundschulalter betroffen, die die Unverträglichkeit aber auch oft wieder verlieren. Das könnte an einer verzögerten Entwicklung von GLUT-5 liegen, mutmaßen Ernährungsmediziner. Erwachsenen bleibt eine einmal aufgetretene Fruchtzucker-Malabsorption auf Dauer.
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Im Dickdarm wird Fruchtzucker zum Problem

Im Normalfall transportiert das Protein GLUT-5 Fruktose vom Dünndarm direkt in die Blutbahn. Da es das bei einer Fruktose-Malabsorption nicht tut, gelangt der Fruchtzucker in den Dickdarm, wo er eigentlich nichts zu suchen hat. Die wichtigsten Beschwerden einer Fruchtzucker-Unverträglichkeit entstehen also nicht dadurch, dass der Körper unzureichend mit Fruktose versorgt wird, sondern dadurch, dass sich im Dickdarm Bakterien auf den unerwarteten Fruchtzucker stürzen und ihn verarbeiten. Bei dieser chemischen Umwandlung entstehen Gase die für die typischen Symptome wie Bauchschmerzen, Darmgeräusche, Blähungen und Durchfall verantwortlich sind.

Zu den Bauchbeschwerden kann sich eine Reihe ganz unterschiedlicher Probleme gesellen, welche die Betroffenen nicht unbedingt mit den Verdauungsstörungen in Verbindung bringen. Neben Reizdarm, Reizmagen und Sodbrennen gehören dazu auch Muskelschmerzen, Müdigkeit oder Depressionen. Das kommt vermutlich daher, dass durch die mangelhafte Fruchtzuckerverwertung auch andere essentielle Nährstoffe für den Körper auf der Strecke bleiben oder bestimmte Stoffwechselprozesse behindert werden. So soll die Fruktose-Malabsorption die Aufnahme der Aminosäure Tryptophan im Blutkreislauf behindern. Das führt zu einer verringerten Serotoninproduktion. Der Mangel des „Glückshormons“ löst dann die depressive Stimmung aus.

Außerdem leiden die Betroffenen häufig an einem Folsäuremangel. Dieses B-Vitamin wird von der gesunden Darmflora gebildet. Fehlt es, verstärkt sich die Neigung zur Depression.

Ebenfalls gravierende Folgen für die Gesundheit kann der unter Menschen mit Fruktose-Malabsorption verbreitete Zinkmangel haben: Er schwächt die Immunkräfte und macht anfällig für Infekte.
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Wasserstoff im Atem verrät Fruktose-Malabsorption

Menschen mit einer Fruktose-Malabsorption berichten meist von zahlreichen Arztbesuchen sowie aufwendigen und schmerzhaften Untersuchungen, bevor sie schließlich die richtige Diagnose bekamen. Dabei kann ein einfacher Atemtest die Fruchtzucker-Unverträglichkeit nachweisen. Er misst die Wasserstoffkonzentration der ausgeatmeten Atemluft. Wasserstoff (H2) entsteht neben Methan als Gärungsgas im Dickdarm, wenn unverdauter Fruchtzucker dort auf Bakterien trifft. Über die Darmwand gelangt H2 in die Blutbahn, dann in die Lunge und wird von da in die Atemluft abgeatmet.

Für ein aussagefähiges Ergebnis darf der Betroffene vor dem Test zehn bis zwölf Stunden keine Nahrung zu sich nehmen, er darf nicht rauchen und soll sich zuvor nicht einmal die Zähne putzen. Nach einer ersten Atemprobe nimmt die Testperson bis zu 50 Gramm Fruchtzucker mit reichlich Wasser zu sich (üblich sind heute meist 25 Gramm Fruchtzucker auf 250 Milliliter Wasser). In den nächsten zwei Stunden wird der Atem alle 30 Minuten gemessen. Wenn der Wasserstoffgehalt später deutlich ansteigt, kann man von einer Fruktose-Malabsorption ausgehen. Bei Gesunden bleibt der H2-Wert trotz des Fruktosestoßes gleichmäßig niedrig.

Der Atemtest versagt allerdings, wenn die Testperson in den Wochen davor Antibiotika eingenommen hat. Auch sollte etwa 4 Wochen vor der Untersuchung keine Darmspiegelung vorgenommen worden sein.

Die erbliche Fruktoseintoleranz lässt sich dagegen im Blut nachweisen. Dafür gibt es heute einen zuverlässigen Gentest.
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Etwas Obst ist fast immer erlaubt

Die Fruktose-Unverträglichkeit kann man gegenwärtig nicht medikamentös behandeln oder heilen. Den Betroffenen bleibt vor allem der mehr oder weniger weit gehende Verzicht auf Fruchtzucker. Und der steckt nicht nur in Früchten.

Während Betroffene der erblichen Intoleranz vollkommen auf Fruchtzucker verzichten müssen, kommt es bei den „Malabsorbern“ darauf an, wie gut der Fruktosetransport im Dünndarm noch funktioniert. Probleme bereiten oft nur besonders fruktosehaltige Produkte, etwa Äpfel, Trauben oder Trockenobst oder größere Mengen Fruchtzucker, die sich unbemerkt in Fertigprodukten verstecken.

Mischen sich in einem Lebensmittel – etwa in Bananen, Rhabarber oder Zitrusfrüchten – Frucht- und Traubenzucker (Glukose), dann wird die Fruktose meist ohne Schwierigkeiten im Darm verarbeitet. Die Glukose scheint die Fruktose im Schlepptau problemfrei durch den Verdauungstrakt zu bringen. Das erlaubt in der Regel eine ausgewogene Ernährung. Die Betroffenen sollten aber zumindest auf Produkte verzichten, die ausdrücklich mit Fruktose oder dem Zuckerersatz Sorbit gesüßt sind. Da Fruchtzucker gegenüber Haushaltszucker als der wertvollere gilt, weisen vor allem Produkte mit einem gesunden Image gern auf die Süßung durch Fruktose hin. Für Menschen mit einer Fruktose-Unverträglichkeit ist das allerdings alles andere als ein Vorteil.

Einen Vitaminmangel riskiert man bei geschickter Lebensmittelauswahl mit der Fruktose-Malabsorption kaum. Folsäure und Zink fehlt den meisten Betroffenen allerdings trotzdem. Das wichtige B-Vitamin und das Spurenelement sollten sie daher vorsichtshalber in Tablettenform zu sich nehmen.
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Fruktosebomben sind tabu:
  • Rosinen, Datteln, Trockenobst
  • Äpfel, Birnen, Weintrauben, Kirschen
  • Obstkuchen, Honigkuchen
  • Fruchtsaft, Süßwein, Fruchtlikör
  • Diabetiker-Konfitüre und -Süßigkeiten
  • Ketchup, Tomatenmark
Hier lohnt der Verzicht:
Ballaststoffreiche Gemüse und Hülsenfrüchte enthalten Zuckermoleküle, welche die durch Frucktzucker verursachten Beschwerden verstärken. Also besser gar nicht oder selten auf den Speiseplan setzen: Kohl, Bohnen, Linsen, Lauch.

Willkommen auf dem Speiseplan:
  • Traubenzucker, Milchzucker
  • Pfirsiche und Nektarinen, Mandarinen und Clementinen (in Maßen)
  • Papaya
  • Rhabarber
  • alle Gemüsesorten (außer Paprika), Blattsalate und Pilze
  • Milchprodukte (naturbelassen)
  • Fleisch und Wurst
  • Eier
  • Reis, Nudeln, Kartoffeln
  • Vollkornbrot

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Mit Fruktose-Malabsorption problemlos durch den Alltag

Bei Süßigkeiten und Kaugummi „ohne Zucker“ genau hinsehen. Sie enthalten oft Sorbit. Dieser Zuckeraustauschstoff verlangsamt den Fruktoseabbau. Daher auch bei Fertigprodukten auf die E-Nummer 420 achten – sie steht für Sorbit. Süßstoff verursacht dagegen keine Probleme.

Ein Stück Traubenzucker zum Obstsalat kann die üppige Fruktoseladung verträglicher machen.

Sehr süßes Obst hat oft einen hohen Anteil an verträglicher Glukose, es kann daher in kleinen Mengen oft problemlos genossen werden.

Obst als Nachtisch nach einer üppigen Mahlzeit ist bekömmlicher als zum Frühstück auf nüchternen Magen.

Gekochtes Obst ist verträglicher als rohe Früchte.

Vorsicht bei Fertigsaucen, Marinaden, Salatdressings oder Tütensuppen – dabei denkt man nicht an Fruchtzucker, der aber enthalten sein kann.
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Honig
© iStockphoto
Auch Honig enthält Fruktose und ist für alle, die unter einer Unverträglichkeit des natürlichen Fruchtzuckers leiden, problematisch.
Aufgeschnittene Papaya
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Papaya-Früchte dürfen auch Menschen mit einer Fruktose-Malabsorption genießen, außerdem Rhabarber und kleinere Mengen von Pfirsichen und Nektarinen.